Der Pianist: Steffen Grell, angenehm.

Wirtschaftsempfang Leverkusen

Lassen Sie mich die Geschichte eines Pianisten erzählen. Meine Geschichte. Ehrlich, teilweise detailversessen. Persönlicher als durch meine Musik können Sie mich nicht kennen lernen. Die Worte auf dieser Seite dienen vor allem dem Verstand, meinen Weg, meine Entscheidungen und mein Ziel zu begreifen. Vom Wirtschaftsingenieur zum Entspannungspianist…

Mein Anfang.

Diplom-Wirtschaftsingenieur im Oktober 2008. Automobilzulieferer, Festanstellung. Nach einem Jahr Abteilungsleiter im Ausland, anschließend als Prozessmanager Schnittstelle zwischen IT und Konzerneinkauf. Projekte in Indien, Südkorea, England, Frankreich, Bosnien. Tolles Team, beste Aussichten. Kündigung abgegeben im Dezember 2012, zum 28.2.2013.

Im Juni 2011 entscheide ich mich endgültig. Ich werde mich selbstständig machen. Keine Ahnung wann, keine Ahnung was ich genau machen werde. Ich weiß nur, dass ich Menschen und Unternehmen helfen will. Auf meiner ersten Visitenkarte steht: Glückscoach.

In den nächsten Monaten reift die Idee. Es entsteht: Create Yourself. Die Abkürzung des Zitats von George Bernard Shaw: „Life is not about finding yourself. It’s about creating yourself.“ Das war mein Motto. Weg von der Suche nach dem Ziel irgendwo da draußen hin zur Entwicklung dessen, was bereits in uns vorhanden ist. Das war schon damals mein fester Glaube: Jeder Mensch weiß intuitiv, wo sein Platz im Leben ist. Was er gerne tut. Was sein Beitrag für diese Welt ist. Sobald der ganze Müll abgeworfen wird, der uns Tag für Tag von dieser inneren Sicherheit ablenkt.

Bevor ich zur Entspannung kam, ließ ich mich zunächst von einer Frage leiten: Welche Schwierigkeiten habe ich selbst überwunden, bei denen ich anderen jetzt helfen kann?

Meine Suche.

Zwei Ideen waren da. Zunächst: Musikern und Schauspielern helfen, begeistert auf die Bühne zu gehen. Ohne Scheu Kontakt zum Publikum aufzubauen. Selbstbewusst, selbstsicher. Unter der inzwischen angemeldeten Marke Create Yourself entstanden ein erster Flyer und neue Visitenkarten. Ich nahm Kontakt zu einem befreundeten Schauspielstudent auf und unterhielt mich mit einer Schauspiellehrerin. Daraufhin erfolgte schnell die Ernüchterung: Schauspieler wollen von Schauspielern gecoacht werden. Ein Wirtschaftler, der ein wenig Coaching-Ausbildung genossen hat ist nicht wirklich vertrauenswürdig. Auch war meine Motivation nicht groß genug um weiterzumachen. Ich legte die Idee zunächst auf Eis.

Die andere: Männern zeigen, wie sie Frauen ansprechen können. Oder auf neudeutsch: Pickup Artist. Auch hier hatte ich lange Zeit Schwierigkeiten, die mir vor allem in Tschechien bewusst wurden. Und wenn ich ehrlich sein soll, ich bin immer noch am Anfang dieser Reise. Dementsprechend war auch hier die anfängliche Euphorie bald verklungen.

Nach etwa 20 kostenlosen Coachings wusste ich, dass ich hierfür selbst noch nicht die nötige Erfahrung hatte. Dafür bekam ich einen sehr persönlichen Einblick in die Sichtweisen von Männern mit ähnlichen Glaubenssätzen und Erfahrungen. Ich lernte zwei Menschen kennen, die meinen weiteren Werdegang stark prägten. Der eine traf sich wöchentlich mit Freunden, um sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Ziel war die finanzielle Freiheit. Mir hingegen wurde immer klarer, dass Geld keine Motivation ist. Ein übergeordnetes Ziel und gemeinsame Wertvorstellungen fehlten und so verlief sich der Austausch nach einer Weile. Mit seiner damaligen Freundin habe ich allerdings noch Kontakt. Sie ist Grafikerin und uns verbindet inzwischen eine tiefe Freundschaft. Sie hat auch das Logo und den Flyer für den AchtSamstag gestaltet. Der andere entstandene Kontakt ermöglichte mir die Selbstständigkeit.

Meine Frustration.

Inzwischen war ich immer tiefer in die Politik des mittelständischen Industrieunternehmens eingetaucht. Ich war Projektleiter für ein weltweites Schulungssystem aller Einkäufer und moderierte Workshops, die aufgrund der Ergebnisse einer Great Place to Work Umfrage allen Abteilungen verordnet wurden. Die Resultate durfte ich stellvertretend für den Bereich an die nächste Ebene berichten. Damals war es erschreckend, heute macht es mich betroffen.

Wichtige Punkte, wie z.B. Zielkonflikte zwischen Einkauf und Qualität oder Vertrieb wurden übergangen und stattdessen wurde darüber diskutiert, welche Kennzahlen auf einer zentralen Stellwand zu zeigen sind und wer den wöchentlichen Speiseplan ausdruckt. Bei den bereichsübergreifenden Meetings wurden leere Worthülsen ausgetauscht, nur um etwas gesagt zu haben. Abteilungsleiter wirkten nervös, weil der Vorgesetzte oder ein Geschäftsführer anwesend war.

Lichtblicke waren die zweiwöchentlichen Treffen mit Freunden aus der Studienzeit. Vertrieb, Controlling, Entwicklung, Einkauf. Die Idee: In der Freizeit an abteilungsübergreifenden Verbesserungen feilen und anschließend den zuständigen Bereichen vorstellen. Der Rat der Weisen. Auch hier verliefen sich die einzelnen Vorschläge schnell im Sand.

Soviel zu meiner Situation in meinem letzten Jahr als Angestellter. Ich hatte mich seit zwei Jahren mit Unternehmensführung beschäftigt, Management des 21. Jahrhunderts, Kundenorientierung. Gewaltfreie Kommunikation, Mediation, Motivation. Jetzt fühlte ich mich wie ein kleines Zahnrad, das zwar mal hier und mal dort hinschauen darf, aber letztendlich funktionieren muss. Ich träumte von Verantwortung in der Personalentwicklung oder gar mit der Geschäftsleitung über die Vision und die praktische Umsetzung der Unternehmenswerte zu diskutieren. Weder mein Chef noch die Personalabteilung hatten dafür Verständnis. Für die Ausbildung zunächst zum Coach, dann zum Kommunikationstrainer nahm ich Urlaub, die Kosten bezahlte ich gern selbst.

Meine Chance.

Auch durch das kostenlose Coaching lernte ich einen jungen Mann kennen, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstand. Ich zeigte ihm, wie er seine Zigarettensucht nutzen konnte, um diese Selbstverständlichkeit für das Ansprechen von Frauen zu nutzen. Anschließend fragte ich ihn, ob ich ihn sonst noch bei etwas unterstützen kann. Seine Antwort: „Du könntest mir helfen, dass meine Mitarbeiter mit einem Lächeln zum Kunden gehen.“ Es folgte ein intensives Gespräch über Werte, Motivation, Geld und Prozesse. Am Ende war klar, dass ich seine Eltern, die Geschäftsführer des damals 40 Mann starken Handwerksunternehmens kennenlernen musste.

Ich hatte meinen ersten Kunden akquiriert. Ohne Bezahlung genoss ich es, alle zwei Wochen mittwochabends genau die Dinge umsetzen zu können, die mir bei meiner Festanstellung fehlten. Prozesse durch den ganzen Betrieb verfolgen, eine laufende Kundenzufriedenheitsanalyse entwickeln und immer wieder über Werte und Strategie sprechen. Etwa zwei Jahre später folgte der erste bezahlte Workshop. Die erste Rechnung über 1.500€ für drei Tage. Die Themen: Positionierung, Vision und Umsetzung. In der folgenden Woche stellte ich dann die Frage, die mein Leben grundlegend veränderte: „Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ich berate Sie weiterhin nebenher, dann hätte ich gerne 500€ pro Monat dafür. Oder ich kündige meine Arbeit und steige zunächst für ein Jahr als Leiter der Entwicklung bei Ihnen ein, mit entsprechender Vergütung. Dann kann ich vor Ort die Verbesserungen vorantreiben. Was ist Ihnen lieber?“

Meine neue Richtung.

Drei Monate später war ich komplett selbstständig. Ich absolvierte noch einmal den Kommunikationstrainer, um noch besser mit Gruppen umgehen zu können. Im August 2013 wiederholte ich das NLP Einführungsseminar. Hier stellten sich die Weichen zur neuen Berufung.

Bei solchen Kursen ist es üblich, sich ein Ziel für die zwei Wochen zu setzen. Dieses mal wollte ich mich selbst herausfordern. Ich hatte es satt nicht genau zu wissen, was ich eigentlich mache. Ich wusste ja, dass es vor allem darauf ankommt, ein klares Ziel zu haben. Einen Fokus, eine eindeutige Positionierung. War ich nun Berater, Trainer, Coach, sollte ich mich doch wieder anstellen lassen? Oder doch etwas ganz anderes? Ich sagte den rund 40 Teilnehmern und den beiden Trainern: Am Ende des Seminars entscheide ich, worauf ich mich die nächsten fünf Jahre konzentriere.

Eine andere Frage beschäftigte mich von da an immer wieder: Was tue ich schon seit ich denken kann, ohne dafür etwas zu erwarten? Was fällt mir so leicht, dass es mir bisher gar nicht einfiel, damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Letztendlich lag die Antwort auf der Hand: Die Musik. Seit dem zehnten Lebensjahr spiele ich Klavier. Insgesamt rund 15 Jahre Unterricht und auch anschließend war ich zumindest immer in irgend einer musikalischen Formation aktiv. Vorher Blockflöte und davor rhythmische Früherziehung. Tatsächlich. Seit ich mich erinnern kann aktiver Musiker. Solo und gemeinsam mit anderen. Und immer wieder Auftritte. Klassenvorspiel, Weihnachtsfeiern, Familienfeste, später auch bei Eröffnungen, Geburtstagen, Abibällen, Abifest, Fasching, selbstorganisierte Konzerte im Jugendhaus. Klassik, Jazz, Rock, Metal, Oldies, Schlager.

Jahrelang hatte ich mir gesagt, dass ich nicht gut genug sei. Dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, mit Musik Geld zu verdienen: Entweder ich werde Lehrer oder ich muss jeden Tag zehn Stunden Klavier üben, um als Solist Erfolg haben zu können. Beides war für mich keine Option. Jetzt hatte ich eine dritte Möglichkeit gefunden. Die Beratung gab mir finanzielle Sicherheit und ich hatte genug Zeit, um mich der Musik zu widmen.

Ich wusste zwar noch nicht, wie genau ich mit Musik tatsächlich Geld verdienen würde, doch mein Leben hatte wieder ein Ziel. Der erste Meilenstein waren drei Stunden Barpiano-Programm. Sobald ich diesen erreicht hatte, schrieb ich eine Mail an Freunde und Bekannte aus den Seminaren. Klavierkonzert gegen Kost und Logis. Du lädst Freunde ein oder genießt alleine einen Abend Klaviermusik und ich bekomme dafür einen Platz zum Schlafen. So erlebte ich zum ersten Mal die Kombination aus den drei Dingen, die ich am liebsten mache. Musik, Reisen und Menschen kennenlernen.

Eine der ersten Einladungen kam von Jürgen Braun. Aus diesem Besuch und einer ausgiebigen Jamsession entstand die Idee, eigene Lieder aufzunehmen. Kurz darauf besuchte ich Rudi Bojahr und auch hier funktionierte das Zusammenspiel. Dann begann im Oktober 2013 ein weiteres Kapitel meiner Selbstverwirklichung: Der erste Vipassanakurs.

Meine Entscheidung.

Ich hatte mich bereits zweimal zu solch einem Kurs angemeldet, aber immer wieder abgesagt. Jetzt wusste ich: Die Zeit nehme ich mir. zehn Tage Meditation. Der ideale Zeitpunkt. Zwei Monate nach der Entscheidung, dass von nun an die Musik im Mittelpunkt meines Lebens steht. Immer noch mit einem Bein als Berater tätig und noch nicht sicher, ob die eigene Musik gut genug ist, ob ich genug Ideen habe und ob es hierfür ein Publikum gibt. Außerdem renovierte ich gerade zwei Zimmer in der Wohnung, meine damalige Beziehung war gescheitert und gesundheitlich war ich auch angeschlagen. Jeder Bereich meines 28-jährigen Lebens eine Baustelle.

Wer Genaueres über die Erfahrungen während solch einem Meditationskurs wissen will, kann mich gerne danach fragen oder eines meiner Seminare besuchen. Soviel vorneweg: Es war das Intensivste was ich bis dato erlebt hatte. Sowohl körperlich als auch geistig und emotional. Kein Vergleich zu Fallschirm- oder Bungee-Sprung, Auftritten vor 1.000 Menschen oder dem Schritt in die Selbstständigkeit. Inzwischen habe ich den Kurs das dritte Mal besucht und bin immer noch überrascht über die Intensität der Erfahrung.

Das Ergebnis ist die Entscheidung: Ich bin hier, um Menschen Wege der Entspannung zu zeigen. Mit Musik und Worten.